Simulationsmethoden im Brandschutz

und in der Gefahrenabwehr

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Projektbilanz

Die Erfassung von Brandereignissen in Flüchtlingsunterkünften ist beendet. Zum Abschluss des Projektes konnten mit Hilfe von Recherchen und Rückmeldungen von Polizei und Staatsanwaltschaften noch unklare Fälle anders zugeordnet werden, so dass die nachfolgende Tabelle den korrigierten Datenbestand aus den Jahren 2015 und 2016 zusammenfasst. Die Oberbegriffe sind wie 2015 und 2016 nach mutmaßlichen Verursachern aufgeschlüsselt. Die Rubrik Inbrandsetzung beeinhaltet dabei sowohl fahrlässige, mutwillige und nicht zuzuordnende Brandereignisse. Neu ist, dass die Vorfälle im Zusammenhang mit Pyrotechnik oder Sprengmitteln extra ausgewiesen sind.

Mutmaßliche Brandursache Summe Mutmaßlicher Verursacher
Bewohner Dritte Unbekannt
Essen-Schwelbrand 255 255    
Pyrotechnik* 77 1 73 3
Inbrandsetzung
(ohne Essen-Schwelbrand) 
896 443 297 156
Technischer Defekt  106     106
Unbekannt 30     30
Summe  1364 699 370 295

(Hinweis: Neue Informationen zu bereits erfassten Fällen führten zur Umbuchung)
* Vorfälle mit Pyrotechnik wurden extra ausgewiesen.

Insgesamt sind 5 Tote gemeldet worden, wovon drei Tote Folgen eines Suizides bzw. einer Tötung sind. Die zu diesen Brandereignissen insgesamt 876 gemeldeten Verletzten verteilen sich hierbei auf folgende Verletzungsmuster:

  • Verdacht auf bzw. bestätigte Rauchgasintoxikation

  • Brüche, Stauchungen und Schnittverletzungen bei der Flucht aus der Unterkunft

  • Ohnmacht / körperlicher Zusammenbruch aufgrund seelischer Belastung

Unter den Verletzten sind zahlreiche Angehörige des Sicherheits- und Betreuungspersonals, die eine Erstbekämpfung des Brandes vorgenommen, Bewohner evakuiert oder aus dem Gebäude gerettet haben. Ihr persönlicher Einsatz wird wohl oft größeres Leid und Schaden verhindert haben.

Für die Einstufung der erfassten Brandereignisse wurde eine eigene Begriffsdefinition geschaffen, um die verschiedenen Fälle unterteilen zu können. Hierfür gibt es die folgenden Oberkategorien: Inbrandsetzung, Technischer Defekt und Essen-Schwelbrand. Nachträglich wurde die Kategorie Pyrotechnik hinzugefügt, um Fälle in Verbindung mit pyrotechnischen Erzeugnissen und anderen Sprengkörpern abzugrenzen. Der Begriff der „Brandstiftung“ wurde bewusst nicht verwendet. Er ist als juristischer Begriff in § 306 StGB definiert und mit weiteren Bedingungen verknüpft (vgl. Erläuterungen z.B. hier und hier) und definiert u.a. die Schwere einer Straftat. Die Erfassung soll jedoch Aussagen über die Brandursachen und ihre Häufigkeiten liefern, um daraus lernen zu können. Diskussionen über die juristische Details und Einstufung sind dabei eher hinderlich. Aus diesem Grund wird der Begriff der „Inbrandsetzung“ verwendet. Dieser bezeichnet den Vorgang etwas in Brand zu setzen. Dieser Vorgang kann mutwillig oder durch Schlamperei oder eben auch aus Versehen (fahrlässig) geschehen. Die gewählte Vorgehensweise ermöglicht eine mutmaßliche Einstufung der Brandereignisse ohne eine langwierige juristische Bewertung abwarten zu müssen.

Die nachstehende Grafik zeigt den monatlichen Gesamtverlauf aller erfassten Ereignisse in Bezug zu den mutwillig verursachten Ereignissen.

Brandstatistik Gesamtverlauf mutwilligeInbrandsetzung

Aufgrund des Verlaufes wird deutlich, dass die beiden Jahre 2015 und 2016 gemeinsam betrachtet werden müssen. Die Kurvenverläufe zeigen deutlich, dass ein hoher Anteil der mutwilligen Ereignisse von Dritten, also nicht von Bewohnern der Unterkunft, verursacht wurden. Fast 70 % aller erfassten mutwilligen Inbrandsetzungen (ohne Pyrotechnik) durch Dritte, Bewohner und Unbekannte richtete sich dabei gegen in Betrieb befindliche bewohnte Unterkünfte. Insgesamt fanden 75 % aller erfassten Brandereignisse in bewohnten Unterkünften statt, davon über 40 % in Küchen. Dies zeigt die Notwendigkeit von starken Brandschutzmaßnahmen in den Unterkünften.

Die zu Vergleichszwecken noch bis zum Ende des 1. Quartals 2017 erfassten Ereignisse werden hier nicht mehr berücksichtigt. In den ersten 11 Tagen des neuen Jahres 2017 wurden 21 von 44 in diesem Monat erfassten Brandereignisse mit insgesamt 83 gemeldeten Verletzten gemeldet. Im Februar 2017 waren es dann 29 Brandereignisse mit 26 Verletzten, so dass sich der Verlauf dem aus Anfang 2015 annähert.

 

Auch die im Rahmen des Projektes entstandenen Hilfen erwiesen sich als nützlich:

Ganz nebenbei konnte auch einem Redaktionsteam des WDR geholfen werden. Das Team ging der Frage nach "Die meisten Flüchtlingsheime werden von Bewohnern angezündet. Stimmt das?"

Hier der Filmbeitrag:

 

 Wir bedanken uns bei allen Unterstützern dieses Pro-Bono Projektes.