Simulationsmethoden im Brandschutz

und in der Gefahrenabwehr

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Brandstatistik Flüchtlingsunterkünfte

– Eine erste Bilanz –

 

Berlin, den 13. Januar 2017

Nach zwei Jahren der bundesweiten Erfassung von Brandereignissen in Flüchtlingsunterkünften ist es Zeit für eine erste Bilanz. Zum 9. Januar 2017 haben wir für Sie wieder die Zahlen der Brandstatistik auf unserer Projekt-Website aktualisiert.

Das Jahr 2016 überrundet mit bisher 651 erfassten Ereignissen hinsichtlich des Erfassungsumfanges das Niveau von 2015 mit 597 Ereignissen. Auf der Basis von Medien- und Pressemeldungen sowie Meldungen aus unserem Feuerwehrnetzwerk sind bisher für die Jahre 2015 und 2016 in Summe 1248 Brandereignisse erfasst worden (Stand: 9.1.2017).

In der Tabelle sind die Daten aus 2015 und 2016 zusammengefasst und die Oberbegriffe nach mutmaßlichen Verursachern aufgeschlüsselt. Die Rubrik Inbrandsetzung beeinhaltet dabei sowohl fahrlässige, mutwillige und nicht zuzuordnende Brandereignisse. Eine detailliertere Auswertung erfolgt nach Abschluss der laufenden Datenüberprüfung und -aktualisierung wie gewohnt in Form von Fachartikeln, auf unter anderem im Newsletter hingewiesen wird.

Mutmaßliche Brandursache Summe Mutmaßlicher Verursacher
Bewohner Dritte Unbekannt
Essen-Schwelbrand 203 203    
Inbrandsetzung
(ohne Essen-Schwelbrand) 
859 375 301 183
Technischer Defekt  99     99
Unbekannt 87     87
Summe  1248 578 301 369

(Hinweis: Neue Informationen zu bereits erfassten Fällen führen zur Umbuchung).

Glücklicherweise sind insgesamt nur 4 Tote gemeldet worden, wovon drei Tote Folgen eines Suizides bzw. einer Tötung sind. Die zu diesen Brandereignissen insgesamt 868 gemeldeten Verletzten verteilen sich hierbei auf folgende Verletzungsmuster:

  • Verdacht auf bzw. bestätigte Rauchgasintoxikation

  • Brüche, Stauchungen und Schnittverletzungen bei der Flucht aus der Unterkunft

  • Ohnmacht / körperlicher Zusammenbruch aufgrund seelischer Belastung

Unter den Verletzten sind zahlreiche Angehörige des Sicherheits- und Betreuungspersonals, die eine Erstbekämpfung des Brandes vorgenommen, Bewohner evakuiert oder aus dem Gebäude gerettet haben. Ihr persönlicher Einsatz wird wohl oft größeres Leid und Schaden verhindert haben.

Für die Einstufung der erfassten Brandereignisse wurde eine eigene Begriffsdefinition geschaffen, um die verschiedenen Fälle unterteilen zu können. Hierfür gibt es die folgenden Oberkategorien: Inbrandsetzung, Technischer Defekt und Essen-Schwelbrand. Der Begriff der „Brandstiftung“ wurde bewusst nicht verwendet. Er ist als juristischer Begriff in § 306 StGB definiert und mit weiteren Bedingungen verknüpft (vgl. Erläuterungen z.B. hier und hier) und definiert u.a. die Schwere einer Straftat. Die Erfassung soll jedoch Aussagen über die Brandursachen und ihre Häufigkeiten liefern, um daraus lernen zu können. Diskussionen über die juristische Details und Einstufung sind dabei eher hinderlich. Aus diesem Grund wird der Begriff der „Inbrandsetzung“ verwendet. Dieser bezeichnet den Vorgang etwas in Brand zu setzen. Dieser Vorgang kann mutwillig oder durch Schlamperei oder eben auch aus Versehen (fahrlässig) geschehen. Die gewählte Vorgehensweise ermöglicht eine mutmaßliche Einstufung der Brandereignisse ohne eine langwierige juristische Bewertung abwarten zu müssen.

Die nachstehende Grafik zeigt den monatlichen Gesamtverlauf aller erfassten Ereignisse in Bezug zu den Inbrandsetzungen.

Brandstatistik Fluechtlingsunterkuenfte Verlauf Uebersicht INURI

Aufgrund des Verlaufes wird deutlich, dass die beiden Jahre 2015 und 2016 gemeinsam betrachtet werden müssen. Der Projektschwerpunkt verschiebt sich nun auf die Auswertung der in 2015 und 2016 erfassten Daten. Hierbei werden die mutmaßlichen Gründe der Inbrandsetzungen (mutwillig, fahrlässig) und der Verursacherkreis (Bewohner, Dritte) näher betrachtet und ausgewertet. Hinweise auf neue Ergebnisse und Vorträge finden Sie wie gewohnt in unserem INURI-Newsletter, auf unserer Webseite in der Rubrik Aktuelles sowie auf unserer Facebook-Seite

An dieser Stelle gleich der Hinweis auf einen Vortrag zu diesem Projekt auf den 5. Magdeburger Brand- und Explosionschutztage am 23. März 2017.

Zu Vergleichszwecken der Gesamtentwicklung führen wir die Erfassung allerdings noch bis zum Ende des 1. Quartals 2017 weiter, um den Fortgang der Entwicklung zu erfassen und darstellen zu können. Bereits in den ersten 11 Tagen des neuen Jahres 2017 wurden 21 Brandereignisse mit insgesamt 83 gemeldeten Verletzten erfasst. Das größte Ereignis in Hövelhof-Staumühle. Das geht hoffentlich nicht so weiter.

 

Auch die im Rahmen des Projektes entstandenen Hilfen erwiesen sich als nützlich:

Wer das Projekt persönlich unterstützen möchte, kann dies weiterhin direkt durch Meldungen von Ereignissen tun. Insbesondere sind wir an Meldungen wenig spektakulärer Ereignisse interessiert, die häufig schwer in den Medien zu finden sind. Zu diesen Fällen gehört z.B. der ausgelöste Brandmelder, der den großen Schaden durch die rechtzeitige Entdeckung verhindert hat. Derartige Fälle können uns über ein Webformular unkompliziert gemeldet werden.

 

Ganz nebenbei konnte auch einem Redaktionsteam des WDR geholfen werden. Das Team ging der Frage nach "Die meisten Flüchtlingsheime werden von Bewohnern angezündet. Stimmt das?"

Hier der Filmbeitrag: